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Kultur & AusdruckEinblick

Kultur & Ausdruck — Warum der Freitag zählt

Freitags öffnet der Hangar Club Kunst, Sport, Spiele und Ausflüge — damit Jugendliche Ausdrucksformen entdecken, die ihnen sonst verschlossen blieben.

Bettina Bossart
Bettina Bossart ·
Aktualisiert: 19. Juni 2026 · 4 Min. Lesezeit
Lebendige Material zum Gestalten auf einem Tisch — Farben, Pinsel, buntes Papier und ein begonnenes Bild.

Jeder Jugendliche verdient einen Ort, an dem er etwas ausprobieren darf — und Zugang zu einem Ausdruck, dem er sonst nie begegnet wäre.

Es gibt einen Moment, den wir immer wieder beobachten — und er hat mit Schule nur am Rande zu tun.

Viele junge Menschen, die es bis an die Universität schaffen, und das sind ohnehin die wenigsten, kommen dort mit einer grossen Not an: Es fehlt ihnen das Allgemeinwissen, das die anderen längst mitbringen. Sie waren noch nie in einem Theater, sind noch nie gereist, haben nie eine andere Stadt gesehen als die Gemeinschaft, aus der sie stammen. Und dann sitzen sie plötzlich neben Studierenden aus Privatschulen, die schon ganz andere Wege gegangen sind und sich ein völlig anderes Wissen aneignen konnten. Das macht unsicher. Es ist eine Lücke, die kein Stundenplan allein schliesst.

Genau darum gehört der Ausdruck bei uns von Anfang an dazu, nicht nur die schulische Förderung. Mit Kunst und Sport bauen wir Erfahrungen auf, damit auch sie Zugang haben zu einem Ausdruck, dem sie sonst vielleicht nie begegnet wären. Wir merken es immer wieder: Einfache Bastelarbeiten lieben sie, weil sie sich darin ausdrücken und Dinge ausprobieren dürfen. Zu Hause fehlt oft das Papier, fehlt das Material, und so bleiben Talente unentdeckt, von denen niemand je etwas geahnt hätte. Wir wollen im Programm bewusst breit sein, damit sie verschiedensten Ausdrucksformen begegnen und danach selbst wählen können, was zu ihnen gehört.

Was der Freitag konkret bedeutet

Wie wir den Freitag gestalten, entscheiden wir nicht über die Köpfe der Jugendlichen hinweg. Wir fragen sie, was sie ausprobieren oder vertiefen möchten, und bieten dann genau das an. Einmal im Monat setzen wir uns zur Planung zusammen und schauen gemeinsam, was als Nächstes drankommt. Wir wechseln bewusst ab zwischen Sport, Kunst, Ausflügen und Spielen, denn in jedem dieser Bereiche stecken eigene Formen von Ausdruck.

Durch Spiele lernen sie, in Gemeinschaft zu sein. Und damit meine ich nicht das Daddeln am Bildschirm, sondern echte Tischspiele, die ganz andere Fähigkeiten fördern: zusammenspielen, aufeinander warten, miteinander gewinnen und verlieren. Bei den Ausflügen bauen wir Allgemeinwissen auf und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Stadt und zum eigenen Wohnort. Im Sport kommen sie in Bewegung und können sich auslassen, ihren Körper spüren, Druck loslassen. Und in der Kunst öffnet sich der Zugang zu den unterschiedlichsten Techniken und Materialien, an denen sie sich ausprobieren dürfen.

Was geschieht, wenn sie Raum bekommen

Wenn Jugendliche den Raum bekommen, kreativ zu sein, vertiefen sie sich — und zwar völlig unabhängig davon, ob es Jungs oder Mädchen sind. Viele hatten diese Möglichkeit zuvor schlicht nie. Sie sind nicht damit aufgewachsen, dass zu Hause Bastelmaterial bereitlag und jemand sie ermutigte, etwas zu schaffen. Und dann probieren sie aus, gehen in die Tiefe, lassen sich darauf ein. Manche merken dabei: Das ist nicht mein Ding. Aber sie haben es versucht. Und genau das ist der Punkt. Sie hatten die Chance.

Der Traum vom ganzen Hangar Club

Langfristig träumen wir von etwas Grösserem. Wir möchten mit verschiedensten Firmen zusammenarbeiten, bei denen die Jugendlichen arbeiten können. Denn wir merken: Viele von ihnen müssen schon als Teenager Geld nach Hause bringen. Das können wir nicht umgehen, es ist ein realer Bedarf der Familien, so wie das System es vorgibt. In Brasilien dürfen Jugendliche bis zu vier Stunden pro Tag arbeiten.

Wir möchten aber nicht, dass sie einfach als billige Arbeitskräfte benutzt werden. Wir möchten mit Firmen zusammenarbeiten, die sie wirklich weiterbringen wollen, die einen Blick dafür haben, dass diese jungen Menschen etwas lernen und vorankommen. Mit solchen Freundesfirmen wollen wir Beziehungen aufbauen und daraus ein System formen, in dem wir Hand in Hand zusammenarbeiten. Das ist ein Traum, und es ist viel Arbeit. Auf diesem Weg sind wir.

Im Moment bauen wir von der anderen Seite her, vom schulischen System aus. Erst wenn diese schulische Begleitung trägt und gut steht, kommt die Arbeit mit den Firmen dazu. Der Traum dahinter: dass ein Jugendlicher ganzheitlich begleitet wird. Dass er einen Ausgleich hat durch Kunst und Sport, schulische Unterstützung dort, wo sie ihm fehlt, und eine Arbeit, die ihn weiterbringt, weil er ohnehin Geld nach Hause bringen muss. Seine Woche wird voll sein. Aber sie wird ihn tragen. Ein ganzes Wochenprogramm soll daraus werden, nicht nur ein bisschen Spass nach der Schule.